Jeanette Schulz (Wien)

Den geistigen Arbeitsraum ihrer künstlerischen Forschung bezeichnet Jeanette Schulz als „Offenes Labor“.

Seit 1989 sind ihr wissenschaftliche Theorien und Untersuchungstrategien Inspiration, Reibungspunkt und Forschungsgegenstand zugleich. Einerseits pflegt sie den direkten Dialog mit WissenschaftlerInnen, andererseits beobachtet sie die wissenschaftlichen Herangehensweisen und Ausdrucksformen selbst.

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Diese Auseinandersetzung gibt ihrem künstlerischen Werk Impulse, die sie aus dem Kunstkontext nicht zu schöpfen vermag. Auf dem Gebiet des Arbeitsprozesses sind Kunst und Wissenschaft aber einander sehr nahe. Beide Disziplinen stellen Fragen, leben vom Experiment, finden in der Intuition eine Hilfe in Entscheidungsprozessen und vermitteln ein ästhetisches Hochgefühl, wenn sich die Lösung ihrer Fragestellung abzeichnet und die Grenzen des Denkbaren immer wieder erweitert werden.

Im Gegensatz zu wissenschaftlichen Untersuchungsstrategien operiert Jeanette Schulz in ihren Projekten mit Vorliebe an der Schnittstelle von begrifflich Fassbarem und Absur dem. Ihren „Hirnungen“ verleiht sie mit den Medien Zeichnung, Comic, Modell („Theoretische Objekte“) und konzeptioneller Malerei eine Form.

Zwischen den Arbeitsfeldern, die im „Offenen Labor“ bearbeitet werden, spannt sich ein Gewebe von inhaltlichen Kreisschlüssen. Einmal verwendete Themen und Aspekte tauchen in anderen Projekten als Gedankenbausteine wieder auf. Eine Konstante in diesem System, das Auge des Hurrikans, ist die Schnittstelle zwischen Kunst und Wissenschaft.

2003 kreiert Jeanette Schulz für ihre vielgestaltigen Arbeitsfelder den „GOPENDER 5“, der zugleich Logo, Spirit und „Kunstkontext-Mantel“ all ihrer Tätigkeitsfelder ist. „GOPENDER 5“ klingt synästhetisch (griech.: «syn» zusammen, «aisthesis» Empfindung, Wahrnehmung) für Authentizität, aufmerksame Weltoffenheit, Humor, verspielte Neugier, Geschmeidigkeit, Konzentration, Zielgerichtetheit, Vertrauen, Flexibilität und Kontemplation – dies über alle fünf Sinne hinaus.

In diesem „gopenderischen Sinne“ entschied sie sich, den zum Kindergarten führenden Treppenaufgang im TM50 mit „heiterkeimenden Synästhesien“ zu bespielen. Bei SynästhestikerInnen, wie auch Jeanette Schulz, lösen Sinneserlebnisse automatisch eine parallele Sinneserfahrung, wie z.B. eine Farbempfindung, aus. Ihre synästhetischen Farbkompositionen zu sehr positiven Empfindungen und Begriffen sollen die starre, achteckige Betonarchitektur des Treppenaufganges für die Kinder zugänglicher machen und ihre Wahrnehmungsarchitektur umfloren. Die Arbeit lädt zu Assoziationen und gedanklichen Spekulationen ein. Gleichzeitig möchte sie auch auf das Phänomen „Synästhesie“ aufmerksam machen, welches in den letzten Jahren mehr und mehr den neurowissenschaftlichen Forschergeist auf sich zieht.

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